Freitag, 5. Februar 2010

SCHWERSTE SICHERHEITSPROBLEME IN ROM-FIUMICINO


Rom-Fiumicino, Italiens wichtigster Flughafen, ist bei Nacht völlig unbewacht. Gegen die italienischen Sicherheitslücken erscheinen die Pannen bei der Laptop-Kontrolle am Münchener Flughafen harmlos. Das italienische Innenministerium zeigt sich jedoch unbeeindruckt.

Tagsüber sind die Kontrollen am Flughafen Rom-Fiumicino streng. Nachts ist der Sicherheitsbereich unbewacht.
Tommaso Cerno, ein Reporter des Nachrichtenmagazin "L’espresso" konnte völlig ungehindert heikle Sicherheitsbereiche im internationalen Terminal des Flughafens Rom-Fiumicino betreten - es gab weder Kontrollen noch Alarmanlagen. Er habe einfach versucht, den Weg nachzuvollziehen den ein normaler Passagier tagsüber nimmt, erzählt Cerno: "Wir sind auch durch die Metalldetektoren gelaufen, die waren ausgeschaltet und hätten im Fall noch nicht mal Alarm ausgelöst, es war also möglich alles mögliche in die Sicherheitszone zu bringen auch Waffen oder Sprengstoff." Am nächsten Tag hätte man diese Dinge ohne Probleme an Bord eines beliebigen Flugzeugs bringen können.
Obdachlose im Sicherheitsbereich
In Räumen, in denen tagsüber Passagiere kontrolliert werden, schliefen nachts Obdachlose und die Türen standen sperrangelweit offen. Cerno hat seinen Besuch mit einer Videokamera dokumentiert. Sein Fazit: "Der Sicherheitsplan, auf den der Fluhafen, die Polizei und die Regierung so stolz sind, zeigt keinerlei Wirkung." In Italien rede man zwar über Terroralarm, die Regierung habe vor, Bodyscanner zu kaufen und die Passagiere müssten verrückte Kontrollen über sich ergehen lassen, aber nachts sei der Flughafen komplett unbewacht.
Der Journalist konnte auch die Gepäckanlage bei den Check-in-Schaltern in Betrieb setzen, ohne dass sich jemand daran gestört hätte. Außerdem hatte er die Möglichkeit in einen Serverraum vorzudringen, in dem Daten von Flugtickets gespeichert werden. Datendiebstahl oder Manipulationen wären unbemerkt möglich gewesen. Cerno war nicht nur einmal in Fiumicino. Er hat seinen Besuch wiederholt: "Nachdem der Flughafen von Rom immer gesagt hat, es gebe rund um die Uhr drei Operationszentralen, die alles per Video überwachen, sind wir zweimal hingegangen - in der Hoffnung irgendwie entdeckt zu werden".
Wo ist das Problem?
Nach Informationen des ARD-Hörfunk-Studios Rom gibt es am Flughafen der italienischen Hauptstadt zusätzlich Probleme bei der Personenkontrolle. So mussten sich die Passagiere bei mehreren Lufthansa-Flügen nicht ausweisen, obwohl sie ihre Tickets im Internet gebucht hatten. Der Flughafen Rom schiebt die Zuständigkeit für die Sicherheitsprobleme der Polizei in die Schuhe. Dort heißt es, der zuständige Beamte sei gerade im Ausland. Und die Pressestelle des italienischen Innenministeriums reagierte auf die Anfrage um eine Stellungnahme mit den Worten: "Perchè è un problemo grave?" Man verstehe nicht, warum das ein schwerwiegendes Problem sei.

© ARD tagesschau Stefan Troendle, ARD Hörfunkstudio Rom 2010 > LINK
© l´espresso 2010 Video & Reportage > LINK